Bill & Melinda Gates Foundation

Mein Jahresbrief 2012

Bill Gates
25 Januar, 2012

Meine Aufgabe ist es, mich über die globale Gesundheit und Entwicklungshilfe zu informieren—und durch arme Länder zu reisen, um mich mit den verschiedensten Personen zu treffen: Bauern, die nicht genügend Nahrung anbauen können, Mütter, deren Kinder mit Krankheiten zu kämpfen haben oder stille Helden, die etwas gegen diese Notlagen tun. Nur sehr wenige Menschen können genügend Zeit dafür aufwenden, diese komplexen Probleme wirklich zu verstehen. Und noch viel weniger von ihnen können jene Menschen, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben, persönlich treffen. Deshalb schreibe ich jedes Jahr einen Jahresbrief.

Ich möchte die Menschen über unsere grandiosen Fortschritte informieren. Ich möchte sie außerdem dafür sensibilisieren, welche Fortschritte noch notwendig sind, bis in unserer Welt wirklich Gerechtigkeit herrscht.

Im diesjährigen Jahresbrief liegt der Fokus hauptsächlich auf den Themen Lebensmittel und Landwirtschaft. (Ich biete jedoch auch aktuelle Informationen zur globalen Gesundheit und zu unserer Bildungsarbeit in den USA.) Als ich auf der High-School war, skizzierte ein bekanntes Buch namens „The Population Bomb“ (Die Bevölkerungsbombe) die alptraumartige Vision einer Hungersnot, die auf einem Planeten, der für seine Bewohner zu klein geworden war, zu einem Massensterben führte. Diese Prognose war falsch. Der Grund dafür war größtenteils, das Wissenschaftler ein viel ertragreicheres Saatgut und effektive Möglichkeiten entwickeln konnten, wodurch arme Bauern in vielen Regionen weltweit ihren Ertrag vervielfachen konnten. Folglich hat sich die Prozentzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, im Laufe meines Lebens halbiert.  Das ist bereits ein großer Erfolg, aber leider wissen noch nicht genügend Menschen darüber Bescheid.

Auch in Zukunft werden noch weitere Fortschritte folgen, und auch darüber sollten die Menschen informiert werden. Es leben immer noch mehr als 1 Milliarde Menschen in extremer Armut. Diese Menschen leben hauptsächlich in Südasien und im subsaharischen Afrika und haben mit extremem Hunger zu kämpfen. Die Ironie des Schicksals ist dabei, dass die meisten davon Bauern sind. Genau wie wir bereits Milliarden Menschen helfen konnten, können wir auch dieser Milliarde dabei helfen, sich selbst zu helfen. Aber wir haben aufgehört, es zu versuchen. An einem gewissen Punkt ist der Sinn für die Nahrungsmittelknappheit verloren gegangen, und der Anteil der Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft sank von 1/5 auf weniger als 1/20.

Ich hoffe, dass mein Jahresbrief die Menschen dazu ermutigt, sich zu engagieren. Relativ kleine Investitionen konnten die Zukunft unzähliger Kleinbauernfamilien bereits positiv verändern. Wir stehen jetzt vor der Wahl: Leisten wir weiterhin Entwicklungshilfe, sodass auch die restliche Milliarde Menschen, die in Armut lebt, davon profitieren kann? Oder tolerieren wir es, dass weltweit einer von zehn Menschen unterernährt, unterentwickelt und vom Hungertod bedroht ist?

In Zeiten knapper Budgets müssen wir Prioritäten setzen. Es ist klar, dass wir gerade jetzt dazu tendieren, die Hilfe für die Ärmsten der Armen zu vernachlässigen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass Menschen mehr helfen möchten und nicht weniger, wenn Sie sehen, was die Entwicklungshilfe bereits bewegen konnte. Deshalb habe ich meinen Brief geschrieben. Ich hoffe, dass Sie alle Zeit dafür finden, ihn zu lesen und ihn auch an Ihre Freunde und Ihre Familie weiterleiten.

 
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