Bill & Melinda Gates Foundation

Gemeinsam für mehr Gesundheit weltweit

Mathias Bonk
15 Oktober, 2013

Als ich Medizinstudent im ersten Semester war,  bin ich nach Indien gereist, um als Freiwilliger bei den Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta zu arbeiten. Dort hatte ich das Glück, Mutter Teresa zu treffen. Sie sagte mir, ich solle hart arbeiten, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Seit dieser Zeit ist ihr Waisenhaus Shishu Bhavan so etwas wie ein sicherer Hafen und eine Quelle der Inspiration für mich geworden. Ich habe dort eine Menge über die Gesundheitsversorgung in Indien gelernt und darüber, wie Medizin dort praktiziert wird, wo es kaum oder keinen Zugang zu Ressourcen gibt. Auch viele verschiedene, oft vermeidbare Infektionskrankheiten habe ich dort zu Gesicht bekommen. Ich konnte kaum glauben, dass noch immer so viele Kinder an Durchfallerkrankungen, Lungenentzündungen oder Kinderlähmung (Polio) leiden und sterben.

Einige Jahre später kehrte ich nach Indien zurück, um eine Famulatur in einer Klinik in Bangalore, Karnataka, anzutreten. Dort traf ich auf der Notfall-Intensivstation auf einen 14 Jahre alten Jungen, der an Kinderlähmung erkrankt war. Er konnte nicht mehr aus eigener Kraft atmen und wurde durch ein Beatmungsgerät am Leben erhalten – eine sehr teure Behandlung für seine arme Familie, die sich hierfür bereits hoch verschuldet hatte. Sein 12-jähriger Bruder betreute ihn Tag und Nacht; ihm war klar, dass sein Bruder bald sterben würde und dennoch war er voller Hoffnung. Als ich nach dem nächsten Wochenende auf die Station zurückkam, war der Junge verstorben. Seine Familie hatte die schwere Entscheidung getroffen, die teure Behandlung mit dem Beatmungsgerät zu beenden, um die Lebensgrundlage für die Geschwister zu erhalten.

Bald nach meiner Rückkehr nach Deutschland schloss ich mein Medizinstudium ab und wurde Kinderarzt. Impfen wurde rasch ein Teil meiner täglichen Arbeit, und nichts erschien mir selbstverständlicher, als allen Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Der letzte Fall von Kinderlähmung in Deutschland wurde im Jahr 1990 gemeldet, aber es hat Jahrzehnte und ein sektorübergreifendes Vorgehen gebraucht, um dies zu erreichen. Heute haben wir es fast geschafft die Krankheit ein für alle Mal auszurotten. Die Polio-Geschichte ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte über die Wirkungskraft von Impfungen.

Die GAVI Alliance hat bewiesen, dass eine sektorübergreifende Partnerschaft hervorragende Ergebnisse in relativ kurzer Zeit erzielen kann. GAVIs Ziel ist es, den Zugang zu Impfungen in Entwicklungsländern zu verbessern und hierdurch Kinderleben zu schützen und die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Zur Allianz gehören Regierungen von Entwicklungsländern und Geberländern, die WHO, UNICEF, die Weltbank, zivilgesellschaftliche Organisationen, Forschungsinstitute und Hersteller von Impfstoffen. Jeder Partner trägt seinen Teil bei, und auf der Basis dieser Zusammenarbeit kann die Allianz Ziele erreichen, die keine der Organisationen für sich allein erreichen würde. 370 Millionen zusätzlich geimpfte Kinder seit dem Jahr 2000. Das bedeutet: 5,5 Millionen Todesfälle verhindert. Partnerschaftliche Zusammenarbeit zahlt sich ganz offensichtlich aus.

Als Programmdirektor des World Health Summit bin ich sehr erfreut darüber, dass GAVI, einer der wichtigsten Akteure im Bereich Global Health und insbesondere beim Kampf gegen Kindersterblichkeit, sich seit seiner Gründung unserer Veranstaltung im Jahr 2009 aktiv daran beteiligt hat. Der World Health Summit verfolgt schließlich ein ähnliches Ziel: Er bringt Personen zusammen, die sich die Verbesserung der Gesundheit weltweit auf die Fahnen geschrieben haben. Der jährlich stattfindende Summit steht unter der Schirmherrschaft der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, des französischen Präsidenten François Hollande und des Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso. Ein akademisches Netzwerk auf der Basis der M8 Alliance of Academic Health Centers, Universities and National Academies unterstützt seine Arbeit.

Im Jahr 2013 befasst sich der World Health Summit mit den Wechselwirkungen von Gesundheit und Entwicklung, Forschung und Bildung und mit der Rolle der Gesundheit in zahlreichen Aspekten der Außenpolitik. Diese Kopplungen werden immer wichtiger, auch in Anbetracht der neuen und neu auftretenden Gesundheitsbedrohungen, die sich aus wachsender globaler Mobilität, demographischem Wandel und der Umweltverschmutzung ergeben. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die weltweiten Bemühungen, vermeidbare Krankheiten wie Polio auszurotten.

Am 25. Februar 2012, kaum zehn Jahre nach meinem Erlebnis mit den beiden Brüdern in Indien, konnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Indien schließlich von ihrer Liste der polio-endemischen Länder streichen. Indien hatte seit mehr als einem Jahr keinen einzigen Fall einer Polio-Wildvirus-Erkrankung zu verzeichnen gehabt. Damit ist zumindest die Hoffnung verbunden, dass andere indische Familien nicht mehr so viel Leid ertragen müssen wie die Familie, die ich in der Klinik in Bangalore traf.

Der Originalbeitrag findet sich auf dem Blog der GAVI Alliance.

Der World Health Summit 2013 findet vom 20. bis 22. Oktober in Berlin statt. Nina Schwalbe, Mitglied der Geschäftsführung und Leiterin des Bereichs „Policy & Performance“ der GAVI Alliance, wird als Sprecherin in zwei Symposien zu hören sein:

  • Polio Eradication: Introducing IPV and Strengthening Routine Immunization (Sonntag, 20. Oktober, 13:00-14:00h)
  • Health in the (post 2015) Global Development Framework (Montag, 21.Oktober, 8:30-10:00h)
 
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