Bill & Melinda Gates Foundation

Bill Gates läutet in Berlin den Aufbruch ins Entwicklungsjahr 2015 ein

Steffen Wüller
12 November, 2014

2014 neigt sich dem Ende entgegen. Das neue Jahr soll in vielfacher Hinsicht ein Jahr des Aufbruchs werden. Das Jahr 2015 bietet die Riesenchance, die Weichen für eine gerechtere Welt zu stellen. Nachhaltige UN-Entwicklungsziele werden die auslaufenden Milleniumsziele ergänzen und die EU hat das Europäische Jahr der Entwicklung ausgerufen. Nicht nur nach dem Willen von Bill Gates kommt Deutschland gerade jetzt eine Führungsrolle zu. Denn die Bundesrepublik übernimmt nicht nur die G7/G8-Präsidentschaft, schon im Januar ist sie Ausrichter der wichtigen GAVI-Wiederauffüllungskonferenz.

Ein straffes Programm hat sich Bill Gates für den 11. November vorgenommen. Gestern stattete Gates der deutschen Hauptstadt einen Besuch ab, um sich mit führenden deutschen Journalisten, Wirtschaftsgrößen und Kabinettsmitgliedern zu treffen. Gleich zum Auftakt diskutierte er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die wesentlichen entwicklungspolitischen Ziele für die kommenden Jahre. Die Bundeskanzlerin ist Schirmherrin der Konferenz zur Wiederauffüllung der GAVI-Allianz.

Deutschland kommt eine Führungsrolle zu, wenn es darum geht, 2015 die Weichen für eine gerechtere Welt zu stellen. Die Bundesrepublik wird Gastgeber bei der Wiederauffüllungskonferenz der internationalen Impf-Allianz GAVI im Januar und beim G7/G8-Gipfel im Juni sein.

Nicht zuletzt die derzeitige Ebola-Krise zeigt wie wichtig es ist, Krankheiten zu bekämpfen und in die Gesundheitssysteme in armen Ländern zu investieren. Denn Untersuchungen haben belegt, dass die Investition von einem Dollar in Gesundheit in den kommenden 20 Jahren einen Ertrag von neun bis 20 Dollar bringt, weil gesunde Menschen leben länger und produktiver arbeiten können. Die Kinder können zur Schule gehen und ihr Potenzial ausschöpfen.

GAVI stärken

Deshalb liegt der Gates Foundation die GAVI-Allianz so sehr am Herzen. Die GAVI-Allianz unterstützt Entwicklungsländer dabei, Impfstoffe zu nutzen, um Hunderte Millionen von Kindern vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat die GAVI-Allianz Mittel zur Impfung von über 440 Millionen Kindern bereitgestellt und damit rund sechs Millionen Leben gerettet. Im Januar 2015 müssen die Mittel der GAVI-Allianz aufgefüllt werden. Für die Jahre 2016 bis 2020 werden insgesamt weitere 7,5 Milliarden US-Dollar benötigt, um das GAVI-Programm zu erfüllen. Mit diesem Geld können rund 300 Millionen Kinder gegen die gefährlichsten Krankheiten geimpft und weitere fünf bis sechs Millionen Kinder vor dem Tod gerettet werden. Der wirtschaftliche Gewinn dieser langfristig angelegten Auffüllung dürfte sich auf 80 bis 100 Milliarden Dollar belaufen.

Der Auffüllungsprozess für GAVI steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel. Er ist das erste große Ereignis im Rahmen der deutschen G7/G8-Präsidentschaft. 2007 gab die Regierung in Heiligendamm die Zusage, bis 2020 insgesamt 500 Millionen Euro pro Jahr für die Bekämpfung infektiöser Krankheiten und der Stärkung der Gesundheitssysteme zu zahlen. Die Gates-Stiftung setzt darauf, dass Deutschland sein Versprechen einlöst und darüber hinaus seinen eigenen Beitrag zu GAVI auf 100 Millionen Euro pro Jahr erhöht.

Prominente Unterstützung

Neben Bundeskanzerin Merkel traf Bill Gates unter anderem auch Entwicklungsminister Gerd Müller. Minister Müller setzt sich für die Gesundheit von Kindern in aller Welt ein, genau so wie die deutsche Schauspielerin Maria Furtwängler, die sich als Botschafterin von ONE-Deutschland ebenfalls für das gesunde Aufwachsen von Kindern weltweit engagiert. Zusammen mit Bill Gates haben die beiden die nächsten Schritte für GAVI diskutiert. Dabei sind einige tolle Fotos entstanden. Maria Furtwängler, bekannt aus dem Tatort, betonte, dass dank GAVI sechs Millionen Kinderleben gerettet werden können. Bill Gates fügte hinzu: „Kinder mit Impfungen zu versorgen, ist der beste Weg dies zu tun“. Gerade Deutschland spielt hierbei eine entscheidende Rolle, nicht nur als Gastgeberland der GAVI-Wiederauffüllungskonferenz in Berlin in 2015, sondern insbesondere durch seine ökonomische Stärke, seinem technologischen Wissen und seinem globalen Einfluss. Deutschland kann und sollte eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, extreme Armut und Krankheiten auf der Welt zu reduzieren. Dabei ist die Unterstützung von Minister Müller eben so wichtig wie jene von so einflussreichen Stimmen wie Maria Furtwängler. Beide Engagements zeigen, dass die Gesundheit von Kindern weltweit den Menschen in Deutschland wichtig ist und ernst genommen werden muss.

Die 0,7 Prozent Marke knacken

Ein weiteres Thema, das Bill Gates bei der Bundeskanzlerin und den Ministern ansprach, ist die Frage der Entwicklungshilfegelder („Official Development Assistance“, ODA). 2006 hatte Deutschland zugesagt, jährlich 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für ODA zu verwenden. Diese Quote hat Deutschland bisher noch nie erreicht. 2013 belief sich der deutsche Beitrag auf 14,1 Milliarden US-Dollar, was 0,38 Prozent des BNE entsprach. Im aktuellen Koalitionsvertrag von Union und SPD ist die 0,7-Prozent-Quote explizit als Ziel genannt.

Mit einem Stiftungskapital von 36,2 Milliarden US-Dollar ist die Gates-Foundation die größte private Stiftung der Welt. Im Alleingang kann aber auch sie wenig bewirken. Neben der Wirtschaft, Nichtregierungsorgansationen und den Empfängern der Unterstützung sind insbesondere die Regierungen der Industrienationen in der Pflicht – im „Entwicklungsjahr 2015“ und darüber hinaus. Um diese Botschaft zu vermitteln, nahm Bill Gates den sehr eng getakteten Terminkalender am 11. November liebend gerne in Kauf.

In seinem Interview mit dem Deutschlandfunk betonte Bill Gates die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit im Kampf gegen Krankheiten wie Ebola. Er fordert, dass sich reiche Länder mehr einbringen und sich besser miteinander abstimmen. Schließlich ist auch Bill Gates ein „Impatient Optimist“. Wer mehr über die Arbeit der Gates Foundation in Deutschland erfahren möchte, Europadirektorin Anja Langenbucher twittert regelmässig über Projekte und Engagements der Stiftung. 

 
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