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„Alle geben wirklich Vollgas in dieser Zeit“

Anna Morgane Michalski
10 Februar, 2015
Gründer in Afrika inspirieren und es ihnen ermöglichen, Unternehmen aufzubauen – das ist die Mission der Non-Profit-Organisation Ampion. Ihr Mittel: Ein Bus als Ideenschmiede. Die Passagiere finden sich innerhalb von fünf Tagen zu Gründerteams zusammen und entwerfen digitale Gegenmittel für die Probleme Afrikas.

Begleitet werden die jungen IT-Entwickler von Experten, Investoren und Mentoren von überall auf der Welt. Premiere der Start-Up-Bustour durch Afrika war im September 2013 im Osten des Kontinents, im letzten Jahr kamen Touren entlang der westafrikanischen Küste, im Maghreb und im südafrikanischen Raum dazu. Die Bilanz nach zwei Jahren: fünf Touren, 14 durchquerte Länder, 200 Teilnehmer, 40 neu gegründete Start-Ups. Im Interview berichtet Ampion-Gründer Fabian Guhl von digitalen Antworten auf die Ebola-Epidemie, Erfahrungen und Erkenntnissen und neuen Plänen.

Während euer Start-Up-Bus über die Straßen Afrikas rumpelt, entwickeln die Gründerteams Ideen – warum bleibt ihr dafür nicht einfach an einem festen Ort, warum lassen sich Lösungen für Ebola und andere Probleme unterwegs besser finden? 

Fabian Guhl:
Man lernt sich besser kennen – es gibt ja keine Möglichkeit, einfach mal den Bus zu verlassen. Der zweite Aspekt ist, dass wir durch das Konzept auch lokale Innovationsökosysteme miteinander verbinden. Der Bus hält jeden Tag in einer anderen Stadt, in einem anderen Tech-Hub. Da arbeiten wir vor Ort und laden jedes Mal die lokale Community ein, die sich für die Themen Innovation und Entrepreneurship interessiert. Wir fahren nicht nur Hauptstädte an, sondern auch ländliche Regionen. Die Teams, die im Bus an Ideen arbeiten, haben außerdem die Möglichkeit, ihre neuen Ideen direkt am Markt zu testen. Sie steigen aus und stellen ihre Ideen vor, in unterschiedlichen Regionen und unterschiedlichen Ländern.

Ein Hauptthema eurer Westafrika-Tour war die Ebola-Epidemie…

Guhl: Wir hatten in Westafrika die Herausforderung, dass wir nicht genügend internationale Experten und Mentoren für unser Programm gewinnen konnten. Und das ist normalerweise ein Herzstück unserer Programme, der Austausch zwischen Europa, USA und Afrika. Viele hatten wegen der Ebola-Epidemie Angst nach Westafrika zu fliegen, aber wir wollten es trotzdem machen. Wenn schon so viele Menschen aufgrund von Ebola absagen, dann muss man doch gucken, was man zur Lösung beitragen kann.

Nicht mit Impfstoffen oder Krankenstationen, sondern mit digitalen Entwicklungen wollt ihr Ebola eindämmen – wie funktioniert das, welche Ideen gab es?

Guhl: Insbesondere im Bereich der Prävention und der Bildung gibt es Möglichkeiten, Epidemien einzudämmen. Über unser Netzwerk haben wir Ebola-Experten kontaktiert und sie gebeten, im Vorfeld des Programms in Skype-Präsentationen zu erklären, was man zu dem Thema machen könnte. Wir selbst sind ja schließlich keine Ebola-Experten, sondern vor allem ein Netzwerk, das verschiedene Menschen an einen Tisch bringt. Das Team „Halt Ebola“ hat es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, durch kostenlose Telefonanrufe Personen in ländlichen Regionen über Risiken und Prävention von Ebola zu informieren. Das Besondere: in der jeweiligen Landessprache und in vielen lokalen Dialekten. Der Text wird außerdem von einflussreichen Führungspersonen aus der jeweiligen Gemeinschaft eingesprochen, in Regionen, wo Religion eine große Rolle spielt, zum Beispiel vom lokalen Priester. Was sind die Hauptübertragungswege? Was gilt es zu vermeiden? 

Wurde die „Halt Ebola“-Idee schon angewandt und konnte sie tatsächlich helfen?

Guhl: Das „Halt Ebola“-Team ist sehr umtriebig unterwegs, sie arbeiten weiter an ihrer Technologie und sammeln zur Zeit Geld ein. Es machen nicht alle Teams weiter – nicht alle haben Zeit sich selbständig zu machen und häufig mischen sie sich auch noch einmal neu. Man kann nicht erwarten, dass man nach fünf Tagen alles stehen und liegen lässt. Aber manche machen es auch genau so.

Wie unterstützt ihr Gründer beim Übergang von Bustour zum erfolgreichen Startup?

Guhl: Zum einen vermitteln wir sie an Partner, vor allem an sogenannte Accelerator. Diese Unternehmen entwickeln Start-Ups, indem sie sie coachen, Arbeitsräume und häufig auch finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Zum Abschluss der Bustour laden wir Vertreter ein, die dann direkt sehen können, was im Bus entstanden ist. Häufig stehen die Accelerator vor der Herausforderung, gute Teams zu finden und da kommen wir ins Spiel, weil wir sehr gute Teilnehmer rekrutieren, zusammenbringen und bei der Entwicklung von Ideen begleiten.

Für die 160 Plätze in den Start-Up-Bussen sind im vergangenen Jahr 900 Bewerbungen bei euch eingegangen. Was muss ich mitbringen, damit ich mit euch auf Tour gehen kann? 

Guhl: Das kommt darauf an, woher du kommst. Am liebsten nehmen wir Teilnehmer aus den Zielländern auf, durch die wir fahren. Daneben geht es sehr stark um die Motivation: Sie sollten in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie unternehmerisch sein können und möchten. Oftmals suchen wir auch Teilnehmer aus, die ein echtes Problem lösen möchten, sozialen Impact haben wollen. Und sie sollten in der Vergangenheit etwas gelernt haben, beispielsweise durch Learning-by-Doing ein Unternehmen aufgebaut haben oder ein Diplom von der Uni mitbringen. Bei den Teilnehmern aus anderen Ländern schauen wir zum Beispiel, ob sie sich vorstellen können, in Afrika ein Unternehmen zu gründen. Die meisten haben einen Tech-Hintergrund, sind zum Beispiel Web-Designer oder Programmierer.

Wie machen sich die kulturellen Unterschiede bei der Arbeit in den internationalen Teams bemerkbar? 

Guhl: Man stellt sich die Zusammenarbeit schwieriger vor als sie ist. Wir wählen Leute aus, die ein gemeinsames Ziel haben, nämlich Start-Ups zu kreieren, die echte Probleme lösen. Dadurch hat man einen sehr starken Filter und dieses gemeinsame Ziel überschattet alle kulturellen Unterschiede. Das habe ich auch selber bemerkt. Ich habe dort in den Programmen mit Leuten zusammengearbeitet, die ganz andere Sichtweisen hatten als ich, aber das zählt in dem Moment gar nicht. Es gab also keine großen Hürden, alle geben wirklich Vollgas in dieser Zeit. Auf dem engen Raum im Bus sind alle gleich; sei es der Serienunternehmer aus dem Silicon Valley oder der 19jährige Hacker aus Kenia – im Vordergrund steht die Entwicklung von Lösungen.

Fünf Tage in einem Bus durch Afrika: Woher kommt das Geld für die Start-Up-Bustour?

Guhl: Wir werden aus dem Privatsektor und dem öffentlichen Sektor gefördert. Im Privatsektor sind es Firmen aus Afrika und dem Rest der Welt, die sich für unsere Themen – Innovation und Afrika – interessieren. Für diese Sponsoren ist die Zusammenarbeit mit uns interessant, weil wir innovativ sind und viele Talente finden. Unter unseren Sponsoren sind zum Beispiel die afrikanische Mobilfunkfirma MTN, SAP und Microsoft. Daneben werden wir auch durch das Bundeswirtschaftsministerium, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und das Auswärtige Amt unterstützt.

Ebola war das Thema der Westafrika-Tour – welche Touren mit welchen Themen plant ihr für 2015?

Guhl: Das können wir noch nicht final sagen, aber wir wollen auf jeden Fall mehr Touren machen als letztes Jahr. Thematisch werden wir uns auf jeden Fall wieder mit Gesundheit beschäftigen, weitere Themen sind zum Beispiel Bürgerengagement, Landwirtschaft und Bildung.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir schon einmal mit dir gesprochen. Was hat sich seitdem für dich verändert – Optimist bist du hoffentlich geblieben…

Guhl: Ich bin Optimist, vor allem digitaler Optimist geblieben. Es hat sich wahnsinnig viel verändert, weil ich einfach das gemacht habe, was ich mir vorgenommen habe. Das war sicher etwas anderes, als man in einem normalen Karriereleben macht. Ich kann aber nur jedem raten, das zu machen, was man machen möchte.

Fabian-Carlos Guhl  ist Gründer und Geschäftsführer von Ampion, einer Non-Profit-Organisation, die junge Gründer aus Afrika fördert und Start-Up-Bustouren durch verschiedene Länder des Kontinents organisiert. 
 
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